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Geschichte

Kurze Geschichte

Die St. Nikolaus-Kirche geht in ihrer Entstehung bis auf das Jahr 1266 zurück, als in einem Ablassbrief des Mainzer Erzbischofs der Bau einer Nikolauskapelle erwähnt wird. Sie war eine Stiftung der Sponheimer Grafen, die als Grundherren die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt Kreuznach maßgeblich beeinflussten.
1281 übergab Johann I. von Sponheim die Kapelle dem Karmeliterorden. Daraufhin errichteten die Karmeliter an deren Stelle eine größere Klosterkirche, die bis heute erhalten blieb.
Es ist eine dreischiffige gotische Basilika mit einem Chor aus zwei Jochen und 5/8 Schluss im Stil der Bettelordenarchitektur . Kennzeichnend ist das schlichte Kirchenschiff, dessen Dach mit einem Dachreiter versehen ist. Auf ein Querhaus und einen repräsentativen Turm wurde dem Armutsgelübde des Ordens entsprechend verzichtet. Markantes Merkmal im Kircheninnern sind die gedrungenen Rundpfeiler mit einfachen Deckenplatten.
Die Weihe von 3 Altären und des Friedhofes im Jahr 1308 bedeuteten den Abschluss der Bauzeit für die Kirche.
An der Südseite der Kirche wurden Klostergebäude mit einem Kreuzgang errichtet, die jedoch seit der Säkularisierung von 1802 abgerissen sind. Heute weisen dunkle Basaltstreifen im Straßenpflaster noch auf die Bauten hin. 

Kunsthistorisch steht das mittelalterliche Kirchenschiff von St. Nikolaus in der Reihe von anderen Bettelordenkirchen wie die Abtei Marienstatt, die Esslinger Dominikanerkirche St. Paul und die Stiftskirche in Landau.

Im 15. Jh. erfolgten größere Umbaumaßnahmen:
1432 wurde das heutige Kreuzgratgewölbe im Mittelschiff eingezogen und seit 1443 trennte ein Lettner den Chor vom Laienschiff (1611 während des Bildersturms zerstört).
Im Zusammenhang damit scheint die sog. Engelskapelle angelegt worden zu sein, deren Verbindung mit dem Lettner durch einen Türbogen im Putz der südlichen Hochschiffswand noch heute zu erkennen ist.
In der Mitte des 15. Jh. verlängerte man das nördliche Seitenschiff nach Osten, um Platz für die Grabkapelle der Walpurg von Sponheim (gest. 1449) zu schaffen. Das südliche Seitenschiff wurde um zwei Joche mit Netz- und Sterngewölbe erweitert. Hier verweisen Wappen auf die seit 1437 in Kreuznach herrschenden Fürsten der Kurpfalz, Pfalz-Simmerns und Badens.
1565 erfolgte die erste Aufhebung des Klosters, und die wechselnden Pflegschaften zwischen Reformierten, Lutheranern und Katholiken bis zur Wiedereinrichtung des Konvents 1652 zogen den Kirchbau arg in Mitleidenschaft:
1601 drohte der Westgiebel einzustürzen, weshalb tiefe Strebepfeiler vorgelegt wurden.
Nach dem Brand der Kirchendächer während des pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 musste der Westgiebel beseitigt werden. Die nachfolgenden Bauarbeiten dauerten noch bis 1698.
Nachdem die alleinregierende Kurpfalz zu Beginn des 18. Jh. zum Katholizismus übergetreten war, gelangte das Karmeliterkloster auch wieder zu geistiger und kultureller Blüte.
An der Nikolauskirche wurden bauliche Veränderungen durchgeführt: 1713 erhält die Kirche neue Portale und vermutlich wurden auch die Seitenschifffenster in der heutigen Form gestaltet. Aus den Langhausfenstern entfernte man das gotische Maßwerk. An Chor und Westfront wurden Häuser angebaut und Verkaufsbuden zwischen den Strebepfeilern an der Marktseite eingefügt. 
Im Gebäudeinnern bekam St. Nikolaus eine neue Ausstattung, nachdem das große Hochwasser vom 13. Mai 1725 das gesamte Inventar zerstört hatte: den barocken Hochaltar (heute in St. Salvator/Prüm), die Orgel (heute im Hunsrückdom/Ravengiersburg), die Kanzel sowie das Chor- und Laiengestühl, das sich heute noch in der Kirche befindet.

Im 19. Jh. geriet St. Nikolaus u.a. wegen Feuchtigkeitsschäden baulich in immer schlechteren Zustand; man empfand Stil und Ausstattung als nicht mehr zeitgemäß und angesichts der gewachsenen Einwohnerzahl der Kurstadt wurde die Kirche zu klein. Man erwog deshalb den Abriss der Kirche, doch erteilte das peußische Kultusministerium wegen der kulturhistorischen Bedeutung des Gebäudes dafür keine Genehmigung.
Unter der Leitung des Mainzer Dombaumeisters Ludwig Becker wurde die Nikolauskirche zwischen 1898 und 1904 umfangreich restauriert und der gotische Stil der Kirche gemäß dem Zeitgeschmack besonders betont.
Es folgte der Abriss der im 18. Jh. angebauten Häuser und die Instandsetzung der Dächer und Mauern. Das nördliche Seitenschiff bekam frei stehende Walmdächer über jedem Joch, so dass die Mittelschifffenster wieder ihre alte Länge erhielten. Die Strebepfeiler wurden zudem mit gotischen Giebeln bekrönt und alle Fenster wieder mit gotischem Maßwerk versehen. Zahlreiche ornamentale und figürliche Buntglasfenster lassen das Kircheninnere farbig erstrahlen.
Im Innern wurde der barocke Altar durch einen neugotischen Sakramentsaltar ersetzt  sowie der Marien- und Kreuzaltar im gleichen Stil neu angefertigt. Auch trennte man sich von der Orgel und zog eine neugotische Kanzel der barocken vor.
Die gotischen Holzskulpturen des Hl. Nikolaus der der Hl. Magdalena erwarb man im Kunsthandel.
Die stärkste Veränderung in ihrem Charakter als Bettelordenskirche erfuhr St. Nikolaus durch den Anbau des Fünfspitzhelms über dem Südwestjoch. Seitdem entspricht  sie mehr dem Bild einer repräsentativen Pfarrkirche.

Nennenswerte Kriegsschäden waren nicht zu verzeichnen; 1954 fand eine Generalinstandsetzung der Kirche statt.
1980 wurde neben der Renovierung des Kirchenschiffs ein neuer Treppenaufgang zur Engelskapelle gebaut.
Seit 1991 erfolgten immer wieder Instandsetzungsarbeiten und konservatorische Maßnahmen an Fassade, Dach, Säulen und Fenstern.