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Geschichte/Chronik der Pfarrei

Geschichtliches zu St. Nikolaus

und Geschichte der Kirchenmusik in St.Nikolaus

Die Anfänge

St. Nikolaus – vom Bettelorden zur Stadtpfarrei 

Die in der Kauzenburg residierenden Grafen v. Sponheim waren seit 1241 Grundherren der mittelalterlichen Stadt „Crucenache“, deren Entwicklung sie maßgeblich beeinflussten.
Dazu gehörte nach 1260 auch die Stiftung der Nikolauskapelle, die möglicherweise als Pfarrkirche innerhalb der Mauern dienen sollte, da die damalige Pfarrkirche St. Kilian außerhalb der Stadtbefestigung im ehem. römischen Kastell lag.
Unterstützung erhielten sie 1266 vom Erzbischof von Mainz und den Bischöfen von Speyer, die in einem Ablassbrief die Gläubigen zur Mithilfe bei der Erbauung aufforderten.
Graf Johann I v. Sponheim änderte jedoch diesen Plan und stiftete 1281 die Kapelle dem Karmeliterorden, der geeignet war, das Ansehen der jungen Stadt zu steigern. Pfarrkirche wurde später die 1332 fertig gestellte Wörthkirche.
Die Bestätigung der Ordensniederlassung erfolgte im Jahr 1290 durch Erzbischof Gerhard v. Mainz. Im Anschluss an die Klostergründung begann wohl der Umbau der Kapelle zu der heute noch erhaltenen Nikolauskirche im Stil der Bettelordensarchitektur als Basilika.

Die Entstehung der Bettelorden hing mit der Vertiefung des religiösen Lebens und Kritik an kirchlichen und sozialen Missständen im 13. Jh. zusammen. Apostolische Einfachheit, Sittenstrenge, Armut, Entbehrung und Pflichteifer waren die Merkmale des mönchischen Lebens der neuen Orden. Der Inhalt ihrer Tätigkeit umfasste die Predigt, Beichte, Seelsorge, Armen- und Krankenpflege, das Wandern und Almosensammeln.
Die Klöster der Bettelorden entstanden in den eng bebauten Städten wie auch das Karmeliterkloster, um sich der Seelsorge an der Allgemeinheit zu widmen. Die Zahl der Klosterbewohner von St. Nikolaus (Priester, Kleriker, Novizen, Gründer) schwankte zwischen 16 (1384) und 21 (1432). Eine besondere Bedeutung hatte die regelmäßige Lehrtätigkeit, die die Karmeliter in ihrer Lateinschule anboten. Nach 1450 stieg die Zahl der „Informatores“ zeitweise auf fünf und übertraf damit sogar die großen städtischen Konvente wie Köln, Mainz und Trier.
1507 wird Dr. Georg Sabellicus Faust als Rektor genannt.
Ganzer Stolz des Klosters war die Bibliothek, die 1437 über eine für damalige Verhältnisse große Bibliothek mit 109 Büchern verfügte. Erhalten geblieben ist z. B. eine Bibel von 1491.
Das Karmeliterkloster war somit ein wichtiges  geistiges, soziales und kulturelles Zentrum in der mittelalterlichen Stadt Kreuznach.

 Die städtische Gesellschaft, ritterliche und niederadelige Familien begünstigten den Bettelorden u.a. mit Weihegaben und Stiftungen wie z.B. Geldrenten, Fruchtzinsen und Häusern. Einige Angehörige dieser Familien wurden in der Nikolauskirche beerdigt. Vier Grabplatten ihrer Grabmäler aus dem 14. und 15. Jh. sind erhalten geblieben.
Der Einfluss der Karmeliter beschränkte sich aber nicht nur auf die Stadt, sondern auch auf die umliegenden Gemeinden, wie z.B. Norheim, Ebernburg, Kirchberg, wo sie ebenfalls als Geistliche tätig waren.
Das 16. und 17. Jh. waren geprägt von Konfessionsauseinander-setzungen und dem 30jährigen Krieg, in denen die Karmeliter es schwer hatten ihre Position zu behaupten.
Die 1517 beginnende Reformationszeit führte 1564 zur ersten Aufhebung des Klosters. Zuvor hatte die pfälz. Landesherrschaft die lutherische Kirchenordnung eingeführt und seit 1543 bereits die Kontrolle der Güterverwaltung des Klosters übernommen. Die nachlassende Ordenspflicht und der Personalmangel führten schließlich dazu, dass das Karmeliterkloster 1564 von der Landesherrschaft besetzt und inventarisiert wurde.
1567 wurde die Lateinschule der Karmeliter in ein reformiertes Gymnasium umgewandelt, dessen Lehrer und Internatsschüler im Kloster wohnten. Hinzu kamen noch die Bilderstürme v. 1566 und 1611, bei denen Altäre, Grabmäler, Bildstöcke und in St. Nikolaus der got. Lettner (1443) sowie die Grabkapelle der Walpurg v. Sponheim (1449) zerstört wurden. 
Während des 30jährigen Krieges im 17. Jh. gab es für die Nikolauskirche wechselnde Pflegschaften zwischen den Katholiken, Lutheranern und Reformierten.
Der Religionsvergleich von 1652 zwischen den Landesherren Kurpfalz, Pfalz-Simmern und Baden bestimmte, dass die Reformierten die Wörthkirche und die Katholiken die Wolfgangskirche des Franziskanerklosters nutzen durften. Für die Karmeliter bedeutete der Vergleich zwar die Erlaubnis, den Chor ihrer Klosterkirche zu nutzen, doch mussten sie das Kirchenschiff den Reformierten überlassen. Dieses Simultaneum blieb noch bis 1688 bestehen. Dem Orden waren nur 3 Konventualen zugestanden und der Platzanspruch des reformierten Gymnasiums bedeutete für die Karmeliter eine Bedrohung, bei steigenden Schülerzahlen aus dem Klostergebäude ausgewiesen zu werden.
Seitens des Ordens reagierte man 1656 mit einer Ordensreform, die eine geistige Stärkung brachte.
1661 erhielten die Karmeliter das Klostergebäude zurück, während für das Gymnasium ein neues Gebäude errichtet wurde.  

Mit dem Religionspatent des Kurfürsten Philipp Wilhelm von 1685, das die Gleichheit aller Konfessionen bestimmte, fielen für die Karmeliter die Beschränkungen weg und sie erhöhten die Zahl ihrer Konventmitglieder. Den Katholiken wurden in Kreuznach am Ende des 17. Jh. wieder mehr Rechte zugestanden, wie z.B. wieder eine Stadtratsvertretung stellen zu dürfen und die Erlaubnis, auf dem Wörthfriedhof Beerdigungen vornehmen zu können.
1698 übernahm ein Mitglied der Karmeliter die Aufgaben eines Pfarrers für die Neustadt und ein Franziskaner die eines Pfarrers für die Altstadt. Die Reformierten predigten in der Wörthkirche. Es wurde jedoch auf eine formelle Errichtung einer Pfarrei in der Stadt verzichtet.
Nachdem die Kurpfalz zu Beginn des 18. Jh. wieder katholisch  geworden war, erfolgte bei den Karmelitern eine Intensivierung des klösterlichen Lebens. Man pflegte das Ordensbrauchtum, intensivierte die Seelsorge, steigerte die Anzahl von Priestern und die Nikolauskirche erhielt eine reiche barocke Ausstattung. –

Das 18. Jahrhundert war also geprägt von dem Geist eines zurück gewonnenen katholischen Selbstbewusstseins. 
Die Frz. Revolution von 1789 und die nachfolgende Herrschaft Napoleons brachte nicht nur eine politische, sondern auch eine kirchliche Neuordnung: 1796 waren die Klöster bereits zu Staatseigentum erklärt worden. Seit 1798 durften sie keine Mitglieder mehr aufnehmen und die Ordensleute konnten gegen Zahlung einer Pension das Kloster verlassen. Prozessionen und andere öffentliche Kundgebungen ihres Glaubens waren untersagt.
1802 erfolgte die offizielle Aufhebung der Klöster und 1805 verließen die Konventmitglieder endgültig die Klöster. Der Besitz der Karmeliter wurde versteigert. Damit ging die Zeit der Karmeliter in Kreuznach nach 500 Jahren zu Ende. 

1808 erhielt St. Nikolaus eine besondere Stellung als Kantonalpfarrei des Kantons Kreuznach. Zuvor war sie 1801 der Diözese Aachen zugeordnet worden.
Während der preuss. Zeit erfolgte 1821 die Zuteilung zum Bistum Trier und 1827 die Einteilung in Dekanate. Die Kontinuität der Pfarrei St. Nikolaus war im 19. Jh. geprägt durch die Pfarrer Stanger, Rummel und Spurzem. Unter Spurzem erwog man den Abriss der Kirche, doch erteilte das preussische Kultusministerium wegen der kulturhistorischen Bedeutung der alten Klosterkirche dafür keine Genehmigung. Stattdessen wurde sie zwischen 1898 und 1904 gründlich restauriert und erhielt einen Kirchturm. 

Mit dem Neubau der Kirche Hl. Kreuz im Jahr 1897 entstand in Kreuznach eine zweite Pfarrei. 1962 wird die dritte Pfarrei St. Wolfgang mit neuer Kirche und Gemeindezentrum eingerichtet, dann folgt St. Franziskus als vierte katholische Pfarrgemeinde und schließlich gehört auch St. Peter Winzenheim zu den katholischen Pfarreien Bad Kreuznachs. 

Seit Januar 2008 sind alle diese Pfarreien in der Stadtpfarrei Hl. Kreuz zusammengefasst.

Bad Kreuznach hat nach 110 Jahren wieder nur eine katholische Pfarrgemeinde, und St. Nikolaus ist seitdem nicht mehr Pfarrkiche, sondern Kirche im Pfarrbezirk St. Nikolaus.

Literatur:
-         Buslay, Josef u. Velten, Carl: "Kloster, Kirche, Pfarrei. St. Nikolaus 1266-1966", Bad Kreuznach 1966.
-         Zimmermann, Walther: "Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach", Düsseldorf 1935.
-         "Heilig Kreuz Kirche – Bad Kreuznach", hrsg. v. Pfarrgemeinde Hl. Kreuz, Bad Kreuznach, 1997.  

 

 

 

 

 

 

Der „Cäcilienverein"

Nach einer Wallfahrt im Sommer des Jahres 1844 wurde unter Dechant Franz Rummel im November der Beschluß gefaßt, die musica sacra auch für St. Nikolaus ins Leben zu rufen und einen Chor zu gründen. Da dies kurz vor dem „Cäcilientag" (22. 11.) geschah, gab man in kluger Voraussicht dem Chor den Namen „Cäcilienverein".
Das einjährige Bestehen wurde in „Kiskis Saale mit Nachtessen und Ball" begangen. Es kamen mehr als 150 Personen zusammen und „es währte bis ½ 1". Die Geistlichkeit nahm keinen Teil daran.

Der Cäcilienverein lebte, und sein Wirken vollzog sich in einer gewissen Stille. Der Chor wuchs unter der Leitung des akademischen Musiklehrers Ernst Schönborn (1917-1942) von ca. 30 auf über 70 Mitglieder an.
In der renovierten Kirche an der neu errichteten Orgel (M. Körfer 1905) spielten bekannte Organisten wie Prof. Johannes Bachem, Hermann Schröder, Albert Bröker u.a.. Im Kurtheater kamen Oratorien zur Aufführung, so z.B.: „Das Marienleben" im Beisein des Komponisten August Othegraven (1920), und „Das Lied von der Glocke" (Romberg).

In St. Nikolaus wurde 1935 das Oratorium „Sancta Elisabeth" von Franz Philipp aufgeführt. Und es wurde zu einem großen religiösen Erlebnis.
Grossangelegte Messen, meist mit Orchesterbegleitung, verschönten den Gottesdienst. So kam 1917, als das große Hauptquartier hier weilte, die „Loreto-Messe" von V. Goller zu ihrer Erstaufführung. Unterstützt von Sängern und Musikern des Militärs. Da man wegen des Krieges 1944 das 100 jährige Jubiläum nicht feiern konnte, wurde dieses unter der Stabführung des damaligen Chorleiters Rudolf Pulch Weihnachten 1945 nachgeholt. Die von Chorleiter Alfred Alfs ins Leben gerufene Knabenschola (1948) fand in den musikalischen Andachten große Bewunderung, vor allem die von ihm verpflichteten Künstler an der Orgel, wie Domorganist Paul Schuh und Martin Koster.

Der von Dechant Hofmann 1954 berufene Chorleiter und Organist Fridel Grenz ging mutig an die Arbeit, den seit dem zweiten Weltkrieg sehr ausgedünnten Chor, wieder sangesfroh zu machen. Die musikalischen Andachten wurden fortgesetzt, unter Mitwirkung von Domkapellmeister Paul Schuh und Hans Kohn an der Orgel. Ein Höhepunkt war die zu Weihnachten 1965 aufgeführte „Missa brevis" D-Dur von W. A. Mozart für Soli, Chor und Orgel.

Nach dem II. Vatikanischen Konzil:

„ Die Kirchenchöre vollziehen einen wahrhaft liturgischen Dienst.--- Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorgfalt bewahrt und gepflegt werden. Die Kirchenchöre sollen nachdrücklich gefördert werden."

Chorleiter waren:

  • bis ca. 1885 Leonhard Heinrich Wolf
  • Heinrich Daniel sen.
  • Heinrich Daniel jun. bis 1916
  • Ernst Schönborn 1917-1942
  • Mathilde Buchholz
  • Rudolf Pulch- 1945
  • H. Brucker –1948
  • A. Alfs –1954
  • F. Grenz 1954-1997
  • Agathe Weyer 1998-2000
  • Markus Maximilian Jungert